Wie verneint man im Deutschen richtig? – Negation im Deutschen

Verneinung im Deutschen – Wenn das Wörtchen nicht nicht wäre

Stop! - Negation - Deutsch als Fremdsprache
Stopzeichen

Wie sagt man in Deutsch am besten nein? Und im besten Fall auch höflich. In diesem Blog-Eintrag über die Verneinung im Deutschen erfahrt ihr wie dies möglich ist.

Das Deutsche bietet viele Möglichkeiten der Verneinung, es kann beispielsweise das Wort „nicht“ verwendet werden. In anderen Kontexten reicht aber auch oft ein „kein/ keine“, ein „nichts“ oder auch ein „nein“ aus. Die am schwierigsten zu erkennende Variante ist, wenn die Verben an sich negativ sind und keine Verneinung mehr benötigt wird. Besonders in längeren Sätzen kann dies kompliziert werden.

 

Die Verneinung im Deutschen mit nicht – Achtung bei der Stellung im Satz!

Doch beginnen wir erst einmal mit der Position der Verneinung nicht im Satz.

Nicht steht, wenn keine Verben verneint werden, immer vor dem Teil, der verneint werden soll.

Das ist nicht schwer!  Er ist nicht da.

Dies ist der Fall bei der Verneinung von:

Verneinung von … Beispiele:
AdjektivenEr ist nicht dumm.  (Das nicht steht vor dem Adjektiv)
PronomenSie wollte nicht euch einladen, sondern eure Kinder. (Das nicht steht vor dem Pronomen)
AdverbienIch sehe nicht gerne fern. (Das nicht steht vor dem Adverb)
ZeitangabenWir kommen nicht um 20 Uhr. (Das nicht steht vor der Präposition, die zur Zeitangabe gehört)
OrtsangabenEr kommt nicht aus Deutschland. (Das nicht steht vor der Präposition, die zur Ortsangabe gehört.
Angaben zur Art und WeiseWir wollten gestern nicht mit dem Auto fahren. (Das nicht steht vor der Präposition zur Angabe zur Art und Weise)
NamenIch heiße nicht Carla. (Das nicht steht vor dem Eigennamen)
Nomen mit bestimmtem ArtikelSie hat nicht den Flug nach Costa Rica, sondern nach  Chicago genommen (Das nicht steht vor dem bestimmten Artikel)
Nomen mit PossessivpronomenSebastian hat nicht seinen Stift, sondern Tinas kaputt gemacht. (Das nicht steht vor dem Possessivpronomen)

Wenn Verben verneint werden sollen, steht das nicht bei einfachen Zeitformen am Ende.

Marco lernt nicht.

Und bei zusammengesetzten Zeitformen am Satzende vor dem Vollverb.

Vorgestern hat Marco nicht gelernt.                       Ich habe heute Nacht nicht geschlafen.

Als nächstes: Negation auch nicht

Wenn es einem genauso geht, kann man mit auch nicht antworten. Die Antwort würde dann lauten: Ich habe auch nicht geschlafen. Man kann den Satz aber noch kürzer formulieren und zwar so: Ich auch nicht. Auf gar keinem Fall darf man diese Wörter vertauschen oder trennen, denn nur in dieser Reihenfolge ergibt der Satz einen Sinn. Das auch kann in keinem Fall hinter dem nicht stehen, egal wie lang der Satz ist. Auch nicht ist ein fester, zusammenhängender Ausdruck in der deutschen Sprache, daher darf niemals ein anderes Wort dazwischen stehen. Das gilt auch für den Ausdruck auch kein/e.

Nein! - Verneinung - Negation
Mann, der Nein sagt

Hier einige Beispiele für Sätze mit auch nicht/ auch kein/e:

Ich kann kein Spanisch. – Er auch nicht. 

Sarah mag keine Hunde – Carla auch nicht.

Meine Schwester kann nicht schwimmen. – Ich auch nicht.

Die Müllers kommen heute Abend nicht zur Party. – Die Bauers auch nicht.

Ich habe heute meinen Schlüssel verloren. – Wir haben ihn auch nicht.

Marco sucht auch nicht nach der großen Liebe, sondern nach einer einmaligen Nummer.

                                                                                     Tanja hat keine Freunde. – Ich habe auch keine.

                                                                                    Wir haben auch keine Lust auf die Party heute Abend.

                                                                                    Meine Lehrerin kennt auch keinen, der dir dabei helfen könnte. 

Die Negation kein darf man natürlich auch nicht vergessen

Wie man in diesen Beispielen erkennen kann, kann aber auch anders verneinen, und zwar mit dem Wort kein. Diese Verneinung steht anstelle eines unbestimmten Artikels oder bei Nomen ohne Artikel. Wichtig ist, dass die Endungen von kein immer an das Nomen angepasst werden müssen. Die Endungen sind die gleichen wie die der Possessivpronomen. Und das sieht folgendermaßen aus:

Nominativ Genitiv Dativ Akkusativ
FemininKeineKeinerKeinerKeine
Maskulin KeinKeinesKeinemKeinen
Neutral KeinKeinesKeinemKein
Plural KeineKeinerKeinenKeine
Kein oder Nicht - Verneinung - Negation
Kein oder Nicht

Einige Beispiele für die Verwendung von kein sind folgende:

  • Ich habe einen Hund –  Meine Mutter hat keinen Hund.
  • Kerstin möchte eine Pizza – Ronja möchte keine.
  • Er hat Kinder – Sie hat keine.
  • Ich mag Serien – Meine Oma mag keine Serien.

Um noch einen Schritt weiter zu gehen und die Verneinung im Deutschen nicht zu offensichtlich zu zeigen, gibt es Wörter, die in sich schon negativ sind und keine weitere Verneinung mehr notwendig ist.  Beispiele dafür sind zum Beispiel Niemand, Nie, Nirgends oder Nirgendwo:

  • Es gibt nirgends gute Erdbeeren. (= es gibt keinen Ort, an dem es gute Erdbeeren gibt)
  • Es ist nirgendwo eine Tankstelle zu finden. (= es gibt keine Tankstelle in der Umgebung)
  • Nie hat ein Freund für mich Zeit. (= kein Freund hat Zeit)

Auch Präpositionen können in sich schon negativ sein

Ohne ist ein Beispiel dafür. Ich trinke meinen Kaffee ohne Zucker (= in meinen Kaffee kommt keinen Zucker).

Aber das ist natürlich noch nicht alles! Mit Präfixen kann man nämlich auch verneinen. Wörter wie unfähig und unhöflich heißen nichts anderes als nicht fähig und nicht höflich. Aber wenn ihr geglaubt habt, dass es nur ein Präfix gibt, mit dem man verneinen kann, dann habt ihr (leider) falsch gedacht. Neben un- gibt es nämlich auch noch die Präfixe a-, des-, in- und irr-. Mit dem Suffix -los kann man auch verneinen.  Beispiele dafür sind:

  • Ineffizient (= nicht effizient)
  • Irrelevant (= nicht relevant)
  • Desinteressiert (= keine Interesse)
  • Hoffnungslos (= keine Hoffnung)

So jetzt wird es kompliziert. Man kann nämlich natürlich auch doppelt verneinen. Wenn also in einem Satz steht: Er ist nicht unhöflich dann heißt das, dass er höflich ist. Oder wenn es heißt: Ich bin nicht desinteressiert, dann heißt das nichts anderes, als dass ich interessiert bin. Also immer vorsichtig sein, denn eine Verneinung muss nicht immer offensichtlich mit Worten wie nicht oder kein angezeigt werden.

Doppelte Verneinung - Negation - Deutsch als Fremdsprache
Ich darf eine doppelte Verneinung nie nicht sagen.

Eine Spezialform für Profis: Die doppelte Verneinung im Deutschen, speziell im Bayerischen:

„Das weiß ja keiner nicht!“, „Da findet ja niemand nicht hin!“, „Das hat er niemals nicht gesagt!“. Nicht erschrecken, denn sowas kann man schon mal in Bayern hören. Das nicht ist hier überflüssig, aber in der gesprochenen bayerischen Sprache taucht es dennoch sehr oft auf.  Lasst euch davon nicht aus dem Konzept bringen, jetzt wisst ihr ja Bescheid!

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